Mollerbau
1819 (Georg Mollers Hoftheater)
Ein Kernpunkt der Ausgestaltung Darmstadts zur Haupt- und Residenzstadt des 1806 neugeschaffenen Großherzogtums Hessen, den Großherzog Ludwig I. mit dem 1810 zum Hofbaudirektor berufenen Georg Moller plante, war der Theater-Neubau zwischen Schloß und Herrngarten.
Das neue »Hoftheater« war mit 1800 Plätzen nur bedingt Theater für den Hof, vorrangig aber Bildungseinrichtung für die Bürgerschaft, »zur Beförderung wahrer Aufklärung und Verbreitung nützlicher Kenntnisse«, wie es in den Erlassen für die gleichzeitig verfügte Öffnung von Hofbibliothek und Museum für die Allgemeinheit hieß.
1871 (Der Theaterbrand)
Die Umstellung des Hoftheaters auf Gasbeleuchtung 1855 dokumentierte den Einzug des technischen Zeitalters in Darmstadt. Trotz zum Teil recht gewagter Experimente mit den Gasflammen war es letztlich die beiläufige Fahrlässigkeit eines Beleuchters, die den unzureichend gesicherten Bau am 24. Oktober 1871 in Flammen aufgehen ließ. Nur Mollers klassizistischer Portikus und die Außenmauern wurden gerettet.
Zeitgenössische Stiche zu den vielfältigen Berichten über den Theaterbrand, die in der recht unterschiedlichen Intensität des Feuerwehr-Einsatzes den fragwürdigen Dokumentationswert derartiger Darstellungen belegen.
1872 (Eine Oper für Darmstadt?)
Für den Wiederaufbau des Hoftheaters wollte Prinz Alexander, der jüngere Bruder des Großherzogs, der die Leitung der Theaterkommission übernahm, den renommierten Theater-Architekten Gottfried Semper in Wien gewinnen, der eben mit dem Wiederaufbau seines kurz zuvor abgebrannten Opernhauses in Dresden befasst war. Die Kontakte schuf der Darmstädter Theatermaschinenmeister Carl Brandt, der gemeinsam mit Semper an den Vorarbeiten für Richard Wagners Festspielhaus beteiligt war.
Für Semper, der Ende Februar 1872 nach Darmstadt kam um seine Ideen zu präsentieren, war die Erhaltung des Moller- Porticus, »ein absolutes Hindernis für den Entwurf eines schönen, zeitgemässen Bauplans«, dem auch ein Teil der erhaltenen Außenmauern weichen sollte.
1879 (Der Wiederaufbau)
Der Wiederaufbau wurde nach Ausschaltung Sempers und Prinz Alexanders, der auf seine »Theater-Diktatur« verzichtete, dem bis dahin am Bauamt Bensheim tätigen Baurat Christian Horst übertragen, der seine Pläne 1876 vorlegte.
Die Kosten wurden von den von Semper veranschlagten 1,3 Millionen auf 975.000 Gulden reduziert. Als Großherzog Ludwig III. im Sommer starb, war der Rohbau fertig, doch konnte die Technik noch nach den Ideen von Maschinendirektor Brandt modernisiert werden.
Der Neubau, der die Außenmauern des Moller-Baus hielt, den Kernbau aber für den Einbau der modernen Bühnentechnik aufstockte, wurde im Oktober 1879 mit Wagners »Lohengrin« eingeweiht.
Grundriss und Schnitte der Horst’schen Pläne von 1876/1879, die in zahlreichen Details Grundlage für die Restaurierung der historischen Räume (Eingangsbereich und Seitenfoyers) im jetzt beendeten Neuaufbau war.
1904 (Die Modernisierung)
Der innere Umbau des Hoftheaters nach nur 25 Jahren sollte zum einen dem veränderten Zeitgeschmack, dem unter der Ägide Großherzog Ernst Ludwigs vollzogenen Übergang zur modernen »Stilbühne«, zum anderen den seit der Brand-Katastrophe im
Wiener Ringtheater 1881 erhöhten Sicherheitsanforderungen Rechnung tragen.Die 1904/1905 durchgeführte Neugestaltung übernahm das Spezialistenteam des durch zahlreiche Theaterbauten in ganz Europa ausgewiesenen Wiener Architektenbüros Fellner & Helmer, die auch in Wiesbaden und Mainz gebaut hatten.
1944 (Die Brandnacht)
Mit dem vernichtenden Bombenangriff in der so genannten “Brandnacht” vom 11./12. September 1944 wurde auch der 1920 zum »Landestheater« gewordene Moller-Bau zerstört.
Neben Portikus und Außenmauern blieb auch ein Teil des betonüberdachten Mantelbaus erhalten, während Bühne und Zuschauerraum im inneren Mauergeviert völlig ausbrannten.
1953 (Wie nutzen?)
Nach dem vorläufigen Stop der Sicherungsarbeiten am Moller-Bau forderten der »Mittelrheinische Architekten- und Ingenieurverein« und der Anfang 1953 gebildete »Verein der Freunde des Großen Hauses« gegen die zwischenzeitlich entwickelten Ausbaupläne für die Orangerie als »einzig tragbare und dauerhafte Lösung« den alsbaldigen »Wiederaufbau des Großen Hauses«.
Dipl. Ing. Wilhelm Zimmer, Stadtverordneter der Freien Wähler, und der ehemalige Stadtbaurat August Buxbaum präsentierten erste Pläne für den Neuaufbau in und mit der erhaltenen Bausubstanz. Ein Ende 1953 vorgelegtes Fachgutachten des Theaterarchitekten Armin Lenz erklärte einen Neubau in den alten Umfassungsmauern jedoch für absolut »unzweckmäßig« und empfahl einen Theaterneubau an anderer Stelle mit Erhaltung des Moller-Baus »für einen anderen kulturellen Zweck«.
1992 (Das Haus der Geschichte)
Nachdem eine Studie des Darmstädter Magistrats im Frühjahr 1970 die Dringlichkeit eines zeitgerechten Kongress- und Hotelzentrums für die weitere Entwicklung Darmstadts unterstrichen hatte, legte die »Steigenberger Consulting GmbH» im März 1971 ein neues Plankonzept vor, das einen Saalbau im äußerlich auf die Dimensionen von 1819 reduzierten »Großen Haus» mit einem 20stöckigen Hotelbau im Herrngarten verbinden wollte.
Die Technische Hochschule empfahl der Stadt stattdessen ein gemeinschaftliches »Kongress- und Bildungszentrum» im Mollerbau. Die dazu angefertigten Studien des TH-Professors Max Bächer diskutierten auch die Möglichkeit einer Nutzung des Innenraums der Moller-Ruine für Bibliotheks- oder Archivmagazine.
Eine Entwurfskizze von 1974 verband die geplante Kongresshalle mit dem inzwischen ins Gespräch gebrachten Archivneubau.






Ein Kernpunkt der Ausgestaltung Darmstadts zur Haupt- und Residenzstadt des 1806 neugeschaffenen Großherzogtums Hessen, den Großherzog Ludwig I. mit dem 1810 zum Hofbaudirektor berufenen Georg Moller plante, war der Theater-Neubau zwischen Schloß und Herrngarten.
Die Umstellung des Hoftheaters auf Gasbeleuchtung 1855 dokumentierte den Einzug des technischen Zeitalters in Darmstadt. Trotz zum Teil recht gewagter Experimente mit den Gasflammen war es letztlich die beiläufige Fahrlässigkeit eines Beleuchters, die den unzureichend gesicherten Bau am 24. Oktober 1871 in Flammen aufgehen ließ. Nur Mollers klassizistischer Portikus und die Außenmauern wurden gerettet.
Für den Wiederaufbau des Hoftheaters wollte Prinz Alexander, der jüngere Bruder des Großherzogs, der die Leitung der Theaterkommission übernahm, den renommierten Theater-Architekten Gottfried Semper in Wien gewinnen, der eben mit dem Wiederaufbau seines kurz zuvor abgebrannten Opernhauses in Dresden befasst war. Die Kontakte schuf der Darmstädter Theatermaschinenmeister Carl Brandt, der gemeinsam mit Semper an den Vorarbeiten für Richard Wagners Festspielhaus beteiligt war.
Der Wiederaufbau wurde nach Ausschaltung Sempers und Prinz Alexanders, der auf seine »Theater-Diktatur« verzichtete, dem bis dahin am Bauamt Bensheim tätigen Baurat Christian Horst übertragen, der seine Pläne 1876 vorlegte.
Der innere Umbau des Hoftheaters nach nur 25 Jahren sollte zum einen dem veränderten Zeitgeschmack, dem unter der Ägide Großherzog Ernst Ludwigs vollzogenen Übergang zur modernen »Stilbühne«, zum anderen den seit der Brand-Katastrophe im
Mit dem vernichtenden Bombenangriff in der so genannten “Brandnacht” vom 11./12. September 1944 wurde auch der 1920 zum »Landestheater« gewordene Moller-Bau zerstört.
Nach dem vorläufigen Stop der Sicherungsarbeiten am Moller-Bau forderten der »Mittelrheinische Architekten- und Ingenieurverein« und der Anfang 1953 gebildete »Verein der Freunde des Großen Hauses« gegen die zwischenzeitlich entwickelten Ausbaupläne für die Orangerie als »einzig tragbare und dauerhafte Lösung« den alsbaldigen »Wiederaufbau des Großen Hauses«.
Nachdem eine Studie des Darmstädter Magistrats im Frühjahr 1970 die Dringlichkeit eines zeitgerechten Kongress- und Hotelzentrums für die weitere Entwicklung Darmstadts unterstrichen hatte, legte die »Steigenberger Consulting GmbH» im März 1971 ein neues Plankonzept vor, das einen Saalbau im äußerlich auf die Dimensionen von 1819 reduzierten »Großen Haus» mit einem 20stöckigen Hotelbau im Herrngarten verbinden wollte.